Eine Leinwand selbst auf einen Keilrahmen zu spannen, gelingt schon beim ersten Versuch mit wenigen klaren Handgriffen. Sobald die Leisten bereitliegen und das Gewebe ausgebreitet ist, kannst du direkt loslegen. Dabei kommt es weniger auf Kraft als auf ein gleichmäßiges Vorgehen an. Schon nach den ersten Klammern nimmt das Bild Form an und die Leinwand legt sich zunehmend glatt über den Rahmen.
Mit etwas Ruhe lässt sich die Spannung sauber über die gesamte Fläche verteilen. Ein rechtwinklig zusammengesetzter Rahmen, vier passend gesetzte Anfangsklammern und der regelmäßige Wechsel zwischen den Seiten sorgen dafür, dass das Motiv gerade sitzt und die Leinwand dauerhaft glatt bleibt. Sauber gefaltete Ecken runden das Ergebnis ab und geben auch der Rückseite ein ordentliches Aussehen.
Das brauchst du für eine straff gespannte Leinwand
Viel Werkzeug ist nicht nötig. Lege trotzdem alles griffbereit auf den Tisch, bevor du die Leinwand ausbreitest. So musst du während des Spannens nicht nach Tacker, Keilen oder Hammer suchen.
Material und Werkzeug
0 / 8 erledigtPlane rund um das Motiv mindestens 4 cm zusätzlichen Rand ein. Bei besonders tiefen Leisten darf es etwas mehr sein, da das Gewebe bis auf die Rückseite reichen und dort noch sicher befestigt werden muss.
Eine Spannzange ist kein Muss. Bei kleinen und mittleren Formaten lässt sich das Material meist gut mit den Händen greifen. Erst bei großen Leinwänden oder sehr festem Gewebe wird das Werkzeug zur echten Erleichterung.
Keilrahmen vor dem Spannen richtig zusammensetzen
Schau dir die Leisten vor dem Zusammenstecken genauer an. An einer Kante befindet sich eine leicht abgerundete Erhöhung, die sogenannte Wulst. Sie sorgt später dafür, dass die Leinwand nicht vollflächig auf dem Holz liegt und sich die Leisten nicht durch das Gewebe abzeichnen. Deshalb müssen alle Wülste auf derselben Seite liegen.
Stecke zunächst jeweils zwei Leisten zu einem L zusammen. Eine Tischkante oder ein anderer rechtwinkliger Anschlag hilft dir dabei, einen sauberen Winkel zu treffen. Anschließend verbindest du beide L-Formen zu einem vollständigen Rechteck.
Nimm dir für diesen Schritt ruhig einen Moment mehr Zeit. Ein schiefer Rahmen lässt sich beim Spannen nicht durch stärkeres Ziehen retten. Er bleibt schief und kann außerdem dafür sorgen, dass gerade Linien im Motiv später sichtbar kippen.
Setze die Spannkeile in die vorgesehenen Nuten ein, ohne den Rahmen sofort stark auseinanderzutreiben. Sie sichern zunächst die Verbindungen und stehen später zum Nachspannen bereit.
Große Keilrahmen mit einer Zwischenstrebe stabilisieren
Mit zunehmender Größe der Leinwand sorgt eine Zwischenstrebe für zusätzliche Stabilität. Ab einem Format von ungefähr 60 x 80 cm unterstützt sie die langen Rahmenseiten und hält den Keilrahmen zuverlässig in Form. Ohne diese Verstärkung können sich längere Leisten durch die Spannung des Gewebes leicht nach innen biegen. Die Strebe wirkt diesem Zug entgegen und sorgt dafür, dass die Seiten gerade bleiben. So lässt sich auch eine große Leinwand gleichmäßig bespannen.
Setze die Strebe mittig ein, sobald der äußere Rahmen vollständig zusammengesteckt ist. Sie wird in die dafür vorgesehenen Nuten der gegenüberliegenden Leisten geschoben. Danach liegt der Keilrahmen stabil auf dem Tisch und kann beim Bespannen nicht so leicht verrutschen oder seine Form verändern.
Bei sehr großen Formaten geben mehrere Streben oder ein Stützkreuz dem Rahmen den nötigen Halt. Welche Ausführung sinnvoll ist, hängt von der Länge und Breite des Keilrahmens ab. Die zusätzliche Verstärkung verteilt den Zug der Leinwand auf die gesamte Konstruktion und entlastet die einzelnen Leisten. Ziehst du das Gewebe anschließend mit Gefühl und arbeitest abwechselnd an den gegenüberliegenden Seiten, entsteht eine glatte Fläche auf einem dauerhaft formstabilen Rahmen.
Keilrahmen nach Maß und der Rahmen für danach
Leinwand auf dem Keilrahmen ausrichten
Breite die Leinwand mit der Motivseite nach unten auf einer sauberen Fläche aus. Schon ein kleiner Holzspan unter dem Stoff kann später einen Abdruck hinterlassen. Streiche das Gewebe daher glatt und entferne Staub oder andere Rückstände, bevor du den Rahmen auflegst.
Der Keilrahmen kommt mittig auf die Rückseite. Dabei zeigt die glatte Seite der Leisten zu dir, während die Wulst unten an der Leinwand liegt. Prüfe mit einem Maßband, ob auf allen vier Seiten genügend Material zum Umschlagen vorhanden ist.
Bei unbedrucktem Gewebe genügt es meist, sich am Fadenlauf zu orientieren. Die Webstruktur sollte möglichst parallel zu den Leisten verlaufen. Ein leichter Versatz fällt zunächst kaum auf, wird aber deutlicher, sobald der Stoff unter Spannung steht.
Bedruckte Leinwände verlangen mehr Geduld. Ein Horizont, eine Hauskante oder ein Schriftzug zeigt jede Schieflage sofort. Richte solche Linien parallel zum Rahmen aus und markiere bei Bedarf die Mittelpunkte auf der Rückseite. Erst wenn die Position stimmt, greifst du zum Tacker.
Leinwand mit der Kreuztechnik auf den Keilrahmen spannen
Mit der Kreuztechnik verteilt sich die Spannung gleichmäßig über die gesamte Leinwand, sodass das Gewebe glatt und das Motiv gerade auf dem Keilrahmen sitzt.
Erste Klammer setzen
Schlage den Stoff in der Mitte einer langen Seite über die Leiste und befestige ihn mit einer Klammer.
Gegenseite befestigen
Wechsle direkt zur gegenüberliegenden Seite, ziehe das Gewebe gleichmäßig straff und tackere es ebenfalls mittig fest.Kurze Seiten fixieren
Wiederhole den Ablauf an den beiden kurzen Seiten. Die Leinwand hält nun an vier Punkten, die sich kreuzförmig gegenüberliegen.Ausrichtung beachten
Zu diesem Zeitpunkt muss die Fläche noch nicht vollkommen glatt sein. Wichtig ist, dass das Gewebe gerade sitzt und aus allen Richtungen gleichmäßig gespannt wird.Nach außen weiterarbeiten
Setze links und rechts neben den ersten Klammern weitere Befestigungen. Wechsle dabei regelmäßig zur jeweils gegenüberliegenden Leiste.Gleichmäßig ziehen
Spanne das Gewebe bestimmt, aber nicht ruckartig. Zu viel Kraft an einzelnen Punkten kann kleine Zugfalten verursachen.Passenden Klammerabstand wählen
Richte den Abstand nach dem Format und der Festigkeit des Gewebes. Vermeide große Lücken, damit auf der Vorderseite keine lockeren Bereiche entstehen.Ecken beim Keilrahmen spannen sauber falten
An den Ecken wird das überschüssige Gewebe sauber gefaltet. Lege dafür beide Stoffseiten flach übereinander, ähnlich wie beim Einpacken eines Geschenks. So entsteht eine schmale Falte, die ordentlich an der Rückseite des Rahmens anliegt.
Falte alle vier Ecken in dieselbe Richtung, damit die Rückseite ein einheitliches Bild erhält. Ziehe das Gewebe anschließend noch einmal straff über die Leiste und befestige es mit ein bis zwei Klammern.
Eine sauber gefaltete Ecke liegt flach an und hält die Leinwand zuverlässig in Form. Zeigt sich auf der Vorderseite noch eine diagonale Falte, kannst du die letzte Klammer einfach lösen, den Stoff neu ausrichten und erneut befestigen.
Keilrahmen nach dem Spannen mit Keilen straffen
Dreh die Leinwand um und betrachte sie aus verschiedenen Winkeln. Streifendes Licht zeigt kleine Wellen besser als der direkte Blick von vorn. Fühlt sich die Fläche noch etwas weich an, kommen die Spannkeile zum Einsatz.
Lege das Bild mit der Motivseite nach unten auf eine weiche Unterlage. Klopfe die Keile anschließend mit einem kleinen Hammer vorsichtig tiefer in die Nuten. Dadurch spreizen sich die Leisten minimal auseinander und erhöhen den Zug auf das Gewebe.
Arbeite rundum und in kleinen Schritten. Zwei kräftige Hammerschläge an nur einer Ecke können den Rahmen verziehen oder die Spannung einseitig erhöhen. Mehrere sanfte Runden sind sicherer und lassen sich besser dosieren.
Am Ende darf die Leinwand sehr straff sitzen und beim leichten Antippen beinahe wie eine Trommel klingen. Sie soll jedoch nicht so stark gespannt sein, dass Nähte, Kanten oder bedruckte Bereiche sichtbar belastet werden.
Häufige Fehler beim Keilrahmen spannen
Die meisten Probleme entstehen nicht erst an der letzten Ecke. Oft wurde der Grund dafür schon beim Ausrichten oder mit den ersten Klammern gelegt.
Achtung
- Der Rahmen ist nicht rechtwinklig: Ein schiefer Aufbau überträgt sich auf das gesamte Bild. Richte die Leisten deshalb vor dem Bespannen sorgfältig aus.
- Die Wulst liegt auf der Rückseite: Die erhöhte Kante gehört an die Leinwand. Getackert wird auf der glatten Seite der Leisten.
- Der Stoffüberstand ist zu knapp: Mindestens 4 cm Rand geben dir genügend Material zum Greifen, Umschlagen und Befestigen.
- Eine Seite wird sofort vollständig befestigt: Dadurch zieht die Leinwand in eine Richtung. Wechsle stattdessen zwischen den gegenüberliegenden Seiten.
- Die Ecken werden nur zusammengedrückt: Dicke Stoffpakete sehen unsauber aus und tragen auf. Eine flache, gleichmäßige Faltung ist die bessere Lösung.
- Die Keile werden zu kräftig eingeschlagen: Das kann den Rahmen verformen oder das Gewebe überlasten. Kleine Schritte bringen mehr Sicherheit.
Nimm dir während des Spannens immer wieder einen Moment, um die Ausrichtung und Spannung der Leinwand zu prüfen. Kleine Unregelmäßigkeiten lassen sich jetzt noch leicht korrigieren, bevor alle Seiten vollständig befestigt sind.
Fertiges Bild auf einen Keilrahmen spannen
Bei einem bedruckten Bild entscheidet die Ausrichtung darüber, ob das Ergebnis professionell oder unfreiwillig schief wirkt. Lege das Motiv faltenfrei aus und platziere den Rahmen mittig auf der Rückseite. Auf allen Seiten muss ausreichend Material zum Umschlagen bleiben.
Gerade Linien verdienen besondere Aufmerksamkeit. Bereits eine geringe Abweichung kann einen Horizont kippen oder eine Gebäudekante schief über den Rahmen laufen lassen. Markiere deshalb die Mitte jeder Seite und orientiere dich an gut erkennbaren Elementen im Motiv, bevor du die ersten Klammern setzt.
Arbeite anschließend von der Mitte nach außen und wechsle regelmäßig zwischen den gegenüberliegenden Seiten. Dreh das Bild zwischendurch um und betrachte nicht nur die Ränder, sondern den Gesamteindruck. Bei einem fertigen Motiv ist eine kleine Pause oft hilfreicher als hektisches Nachbessern.
Profi-Tipp
Saubere Baumwollhandschuhe schützen empfindliche Druckflächen vor Fingerabdrücken. Vor allem dunkle oder glänzende Bereiche zeigen Berührungen schneller, als einem während der Arbeit lieb ist.
Ist die Leinwand fertig gespannt, geht es an die Präsentation: Wie du sie danach sicher und gerade an die Wand bringst, zeigen wir dir in einer eigenen Anleitung, und auf welcher Höhe sie hängen sollte in einer zweiten.
Lockeren Keilrahmen später nachspannen
Mit der Zeit kann eine Leinwand etwas an Spannung verlieren und leichte Wellen bilden. Gründe dafür sind unter anderem wechselnde Temperaturen, eine hohe Luftfeuchtigkeit oder trockene Heizungsluft. Meist lässt sich das Gewebe jedoch mit wenigen Handgriffen wieder straffen, ohne das Bild vollständig neu zu bespannen.
Lege den Rahmen mit der Bildseite nach unten auf eine weiche, saubere Unterlage. Klopfe die Keile anschließend vorsichtig und gleichmäßig etwas tiefer in die Ecken. Oft genügen bereits wenige Millimeter, damit die Leinwand wieder glatt auf dem Rahmen sitzt.
Bleibt das Gewebe weiterhin locker, haben die Keile ihren möglichen Spannweg möglicherweise ausgeschöpft. Statt sie mit mehr Kraft einzuschlagen, kannst du einzelne Klammern lösen und die Leinwand erneut straff befestigen. Bei stark ausgeleiertem Gewebe ist eine vollständige Neubespannung die bessere Lösung.